Geschichte des Ornithologenverbandes Sachsen-Anhalt e. V. (OSA)
Am 6. April 1991 gründeten 36 Ornithologen aus den Bezirken Halle und Magdeburg im ornitho-historisch traditionsreichen Köthen den Ornithologenverband Sachsen-Anhalt. Damit erfüllte sich einer Forderung der übergroßen Mehrheit der Teilnehmer der letzen Ornithologentagung des Kulturbundes des Bezirkes Halle, die am 24. November 1990 in Wallwitz/Saalkreis die Gründung eines eigenständigen ornithologischen Vereins für das neue Land Sachsen-Anhalt beschlossen.
Nicht länger aufrechtzuerhalten war die Tätigkeit der Bezirksfachausschüsse für Ornithologie und Vogelschutz im Kulturbund der Bezirke Halle und Magdeburg in der bisherigen Form. Das Angebot zur Bildung einer speziellen Fachsektion unter dem Dach des Naturschutzbundes Deutschland, hier speziell in dem am 1. September 1990 in Bitterfeld gegründeten Landesverband für Sachsen-Anhalt, fand keine Mehrheit.
Nach intensiver Diskussion wurde bereits am 6. April 1991 eine Satzung bestätigt und als Vereinszweck vereinbart:
"Der Verein wirkt für die Förderung der Vogelkunde insbesondere der Avifaunistik in Sachsen-Anhalt. Er erstrebt dieses Ziel nur in gemeinnütziger Form auf wissenschaftlicher Grundlage, insbesondere durch Herausgabe einer wissenschaftlichen Zeitschrift und durch gegenseitigen Austausch der gesammelten Erfahrungen und Beobachtungen in regelmäßig wiederkehrenden Zusammenkünften. Der Verein koordiniert die avifaunistische Arbeit in Sachsen-Anhalt, er unterstützt die Bildung und den Aufbau lokaler und regionaler Strukturen und fördert die Schaffung von Sektionen für spezielle Aufgaben. Der Verein ist dem Anliegen des nationalen und internationalen Vogelschutzes verpflichtet."
Der Ornithologenverband wollte seit seiner Gründung die bis dahin erfolgreiche ornithologische Arbeit im Gebiet des heutigen Landes Sachsen-Anhalt fortführen, dabei vor allem initiierend und koordinierend wirken, ohne die einzelnen regionalen Gruppen und Vereine zu bevormunden.
Die Eintragung des Ornithologenverbands Sachsen-Anhalt e. V. (OSA) in das Vereinsregister (VR-621) vom 07. Oktober 1991 wurde am 26. Oktober 1991 amtlich bekannt gemacht.
In den vorläufigen Vorstand wurden gewählt:
1. Vorsitzender: Herr Dr. Klaus Liedel, Halle; 2. Vorsitzender: Herr Dr. Max Dornbusch, Steckby; 3. Vorsitzender: Herr Reinhard Gnielka, Halle; Schriftführer: Herr Robert Schönbrodt, Halle; Schatzmeister: Herr Klaus George, Badeborn.
Zum 02. November 1991 wurde zu einer ersten Jahrestagung und ordentlichen Mitgliederversammlung nach Steckby eingeladen, an der bereits 104 eingetragene OSA-Mitglieder und 16 Gäste anreisten. Diese Mitgliederversammlung wählte Herrn Dr. Klaus Liedel, Halle als Vorsitzenden des Vereins. Die Herren Reinhard Gnielka, Halle und Klaus George, Badeborn wurden Stellvertreter des Vorsitzenden. Weiterhin wurden in den Vorstand gewählt: Herr Robert Schönbrodt, Halle als Schriftführer und als Schatzmeister Herr Gunthard Dornbusch, Steckby.
So begann 1991 die Geschichte des Ornithologenverbandes Sachsen-Anhalt e. V. (OSA).
Mitglieder des "alten" OSA-Vorstandes, von links:
Stefan Fischer, Martin Wadewitz, Reinhard Gnielka, Ingolf Todte, Dr. Klaus
Liedel, Robert Schönbrodt, Dr. Klaus George
Die reiche ornithologische Tradition in Anhalt ist jedoch über 200 Jahre alt. Am Anfang stehen die drei "Naumänner". Von Ziebigk aus erforschte Johann Andreas Naumann (1744-1826) die Vogelwelt dieser Region und initiierte damit die späteren naturwissenschaftlichen Tätigkeiten seiner Söhne Carl Andreas Naumann (1786-1854) in Kleinzerbst und Johann Friedrich Naumann (1780-1857) in Ziebigk und Köthen. Die frühe ornithologische Tradition setzte Eduard Baldamus (1812-1893) in Köthen, Diebzig und Osternienburg fort. Zur Gebietsforschung um Köthen trug weiterhin Wilhelm Päßler bei, der viele Jahre als Pfarrer in Trinum wirkte.
Das Schaffen der Genannten mag mit den Ausschlag gegeben haben, dass das erste Treffen deutscher Ornithologen vom 27.-29. September 1845 in Köthen stattfand. So gründete sich 1903 in Köthen die "Zwanglose Vereinigung von Freunden der Vogelwelt", die sich 1905 den neuen Namen "Ornithologische Verein Cöthen" (OVC) gab. Den 100. Geburtstag wird der OVC gemeinsam mit dem OSA e. V. im Frühjahr 2003 mit der 12. Jahrestagung in Köthen festlich begehen.
So wie beispielhaft für das Köthener Land dargestellt, haben sich auf dem Gebiet des heutigen Landes Sachsen-Anhalt auch weitere namhafte Ornithologen und traditionsreiche ornithologische Verbindungen und Zusammenschlüsse mit der Erforschung der Vogelwelt beschäftigt.
Im Zeitraum nach dem II. Weltkrieg bis zur Gründung des OSA e.V. 1991 war die Arbeit in den Fachgruppen des Kulturbundes organisiert. Auch die Ergebnisse dieses Zeitraumes können sich sehen lassen, und für viele Mitglieder war die Beschäftigung mit der Ornithologie in DDR-Zeiten eine Nische, um Anerkennung und Befriedigung zu erlangen. Die Koordination lag in den Händen der Bezirksfachausschüsse für Ornithologie und Vogelschutz in Halle und Magdeburg, die auch Begründer und Träger der seit 1966 begründeten Zeitschrift APUS waren. Nach 25 Jahren des regelmäßigen Erscheinens von Beiträgen zu einer Avifauna der Bezirke Halle und Magdeburg wechselte mit dem Heft 6 von Band 7 (ausgegeben 1991) die Herausgeberschaft zum Ornithologenverband Sachsen-Anhalt e. V. (OSA).
|
Datum |
Tagungsort |
| Gründungsversammlung |
06.04.1991 |
Köthen |
| 1. Jahrestagung |
02.11.1991 |
Steckby |
| 2. Jahrestagung |
31.10.1992 |
Haferfeld bei Gernrode (Harz) |
| 3. Jahrestagung |
25.-26.09.1993 |
Bertingen (Elbe) |
| 4. Jahrestagung |
08.10.1994 |
Schkopau |
| 5. Jahrestagung |
22.-24.09.1995 |
Köthen |
| 6. Jahrestagung |
06.-07.09.1996 |
Mehrin (Altmark) |
| 7. Jahrestagung |
14.-15.11.1997 |
Jessen |
| 8. Jahrestagung |
20.-21.11.1998 |
Brambach (Elbe) |
| 9. Jahrestagung |
05.-06.11.1999 |
Halberstadt |
| 10. Jahrestagung |
10.-11.11.2000 |
Rätzlingen (Drömling) |
| 11. Jahrestagung |
09.-10.11.2001 |
Havelberg |
| 12. Jahrestagung |
08.-09.11.2002 |
Bad Bibra |
| 13. Jahrestagung |
22.03.2003 |
Köthen |
| 14. Jahrestagung |
08.-09.10.2004 |
Spergau |
| 15. Jahrestagung |
07.-08.11.2005 |
Gommern |
| 16. Jahrestagung |
03.-04.11.2006 |
Schlaiz |
| 17. Jahrestagung |
02.-03.11.2007 |
Großpaschleben |
| 18. Jahrestagung |
07.-08.11.2008 |
Dessau |
| 19. Jahrestagung |
09.-10.10.2009 |
Halberstadt |
| 20. Jahrestagung |
05.-06.11.2010 |
Klietz |
| 21. Jahrestagung |
04.-05.11.2011 |
Halle (Saale) |
| 22. Jahrestagung |
02.-03.11.2012 |
Gommern |
Darüber hinaus wurden seit 1992 jährlich Beratungen des OSA-Vorstandes mit einem Beirat, bestehend unter anderem aus Vertretern der regional organisierten Zusammenschlüsse im Land Sachsen-Anhalt, organisiert; hier werden landesweite Projekte vorberaten, Anregungen gegeben und entgegengenommen, die Jahrestagungen und wichtige Entscheidungen des Vorstandes vorbereitet und erläutert sowie die speziellen Sektionen (Avifaunisten, Beringer, Jugendarbeit) angehört und entsprechend den Möglichkeiten unterstützt.
Alle unsere Mitglieder vereint die Freude am Beobachten der wildlebenden Vogelarten, der Wunsch mehr über die Lebensweise der Gefiederten zu erfahren. Haben auch Sie daran Interesse? Dann finden Sie Gleichgesinnte im Ornithologenverband Sachsen-Anhalt e. V. Jeder Interessierte kann Mitglied werden, Vorkenntnisse werden nicht verlangt!
Mit unserem Wissen und Handeln treten wir auch für die Erhaltung natürlicher und naturnaher Lebensräume ein, fördern den Naturschutz, besonders den speziellen Vogelschutz und verstehen unsere Aktivitäten als Beiträge für eine nachhaltige Nutzung von Natur und Landschaft.
Der Ornithologenverband Sachsen-Anhalt e. V. hat etwa 275 Mitglieder (Stand 1.10.2009) und wird seit dem 3.11.2007 durch folgenden Vorstand vertreten:
Mark Schönbrodt (Vorsitzender)
Ingolf Todte (1. Stellvertreter)
Dr. Dirk Tolkmitt (2. Stellvertreter)
Martin Wadewitz (Schatzmeister)
Lukas Kratzsch (Schriftführer)
Dr. Klaus Liedel (Schriftleiter des Apus), seit 2009 Robert Schönbrodt
Mitglieder des amtierenden OSA-Vorstandes, von links:
Lukas Kratzsch, Dr. Dirk Tolkmitt, Mark Schönbrodt, Robert Schönbrodt, Ingolf Todte
Aufgrund seiner Verdienste um den Ornithologenverband Sachsen-Anhalts, insbesondere als Gründungsvorsitzender, als langjähriger Schriftleiter des Apus sowie als Sprecher der avifaunistischen Landeskommission, wurde Dr. Klaus Liedel auf der Jahrestagung in Halberstadt am 10.10.2009 zum Ehrenmitglied ernannt.
Seit dem 1.1.2003 ist der OSA e.V. vom Land Sachsen-Anhalt anerkannter Naturschutzverband gemäß § 60 BNatSchG bzw. § 51 NatSchG LSA.
Robert Schönbrodt
Literatur:
Liedel, K. (1990): Ausklang und Neubeginn. Apus 7: S. 241.
Rochlitzer, R. (1993): Die Vogelwelt des Gebietes Köthen. Köthen.
zum Anfang
|