Ornithologenverband
Sachsen-Anhalt e.V.

Kraniche in Sachsen-Anhalt

Werte Mitbeobachter, liebe Freunde und Kollegen, Vogelfreunde und Kranichfans,

seit März des Jahres 2013 haben wir, Jana und Axel Schonert, die Landeskoordination Kranich für unser Bundesland übernommen. Zukünftig wollen wir nun diese „Flaggschiffart“ in Naturschutz und besonders Öffentlichkeitsarbeit in einen größeren Kontext stellen. Dazu arbeiten wir mit der Staatlichen Vogelschutzwarte Steckby, dem NABU Sachsen-Anhalt, dem Fachvorstand Kranichschutz Deutschland sowie der Kranichschutz Deutschland GmbH zusammen. Ziel ist einerseits die zentrale Sammlung von Daten, aber insbesondere auch deren Auswertung und Verfügbarmachung im Sinne des Arten- und Naturschutzes sowie die Einbindung „unserer“ Kraniche in den gesamtdeutschen Rahmen. Da die Art sich nach wie vor in Ausbreitung nach Südwesten befindet, rechnen wir gerade hier mit bemerkenswerten Entwicklungen.

Mitstreiter

Kranichberingung ist Teamwork; Beringer, lokale Kranichfreunde, FÖJler, Studierende, Behördenmitarbeiter und Förster – sie alle vereint die Leidenschaft des Kranichschutzes und treffen sich zur Kranichberingung an einem Sonntag Morgen schon 04:30 Uhr früh. Im Bild ebenso die Jungkraniche „Nico“ und „Heiko“, beringt am 12.06.2021.

Foto: A. Schonert

Was hilft uns bei dieser Tätigkeit?

Brutdaten

Kranichküken

Also die möglichst ortsgenaue Angabe von Brut- bzw. Revierpaaren. Angaben zu Bruterfolg/Anzahl Jungvögel etc. sind nützlich, jedoch nicht um jeden Preis nötig. Die Beurteilung des Status der Beobachtung, also ob dies noch Zug oder schon ein Revierpaar sein könnte, obliegt völlig dem Beobachter. Die Orientierung an den „Methodenstandards“ 2005 ist dabei sicher sinnvoll. Um eine sinnvolle Koordination zu ermöglichen, wenden Sie sich bitte an den jeweiligen Kreiskoordinator entsprechend der folgenden Tabelle. Gern stellen wir den Kontakt her!

KreisKontakt
Altmarkkreis Salzwedel Holzäpfel, Renate
Landkreis Anhalt-Bitterfeld Richter, Manfred
Scheil, Gerhard
Todte, Ingolf
Bördekreis Sender, Wolfgang
Burgenlandkreis Weißgerber, Rolf
Dessau-Roßlau Schwarze, Eckhardt
Halle Schönbrodt, Mark
Stenzel, Tobias
Landkreis Jerichower Land Fonger, René
Saalekreis Schwarz, Udo
Salzlandkreis Todte, Ingolf
Landkreis Stendal Friedrichs, Torsten
Landkreis Wittenberg Schonert, Jana & Axel

Das Projekt der landesweiten Kranich-Brutplatzerfassung 2024 ist erfolgreich abgeschlossen. Dabei wurde in Sachsen-Anhalt für 2024 ein Kranich-Brutbestand von 1348 Paaren ermittelt. Zur Fortführung des Projekts wird auch weiterhin nach der bekannten Methodik um die Übermittlung von Kranichbrutplätzen an die Koordinatoren gebeten. Dafür steht ein Erfassungsbogen (PDF) zur Verfügung.

Rastdaten

Rast

Daten von Zählungen an Rastplätzen/Schlafplätzen bzw. die Angabe zu neuen Rastplätzen, wenn möglich sollten unbedingt zu den Synchronzählungsterminen Zählungen organisiert werden. An diesen Terminen wird in ganz Deutschland der Rastbestand gezählt, was eine sehr genaue Gesamtzahl ermöglicht. Gern nehmen wir zusätzlich alle Zählergebnisse zur Dokumentation der Entwicklung am jeweiligen Standort.

Zugdaten

Zug

Bemerkenswerte Einzelbeobachtungen wie Massenzüge, Winterbeobachtungen usw., die eventuell überregional in einen Zusammenhang gestellt werden können.

Wir würden uns über die Übermittlung von Daten sehr freuen. Ob per Telefon, Email oder brieflich ist zweitrangig. Eine bequeme Möglichkeit ist auch die Eingabe der Daten in dem Internetportal Ornitho.de. Darauf wurden wir bereits angesprochen und wir halten das für eine tolle Idee! Auf Antrag und nach Zustimmung der Steuerungsgruppen Deutschland und Sachsen-Anhalt haben wir für den Kranich in Sachsen-Anhalt erweiterte Zugriffsrechte erhalten, sodass dort eingegebene Beobachtungen von uns gesehen und genutzt werden können. Diese Möglichkeit ist schon aufgrund der dort einfach machbaren Lokalisierung inklusive MTB, Koordinaten und Landkreis enorm praktisch! Allerdings kann dies nicht die koordinierte Datensammlung über die entsprtechenden Kreiskoordinatoren ersetzen, da sonst Doppelzählungen nicht vermieden werden könnten. Sollten Sie also Ihre Daten bei ornitho.de eingeben, so melden Sie diese bitte unbedingt parallel bei dem zuständigen Koordinator.

Grundsätzlich freuen wir uns über jede Kontaktaufnahme, Tipps, Hinweise, Wünsche, Vorschläge etc.!

Herzliche Grüße aus der Wittenberger Elbaue,

Jana und Axel Schonert - per E-Mail erreichbar unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.

 

25. Landeskranichtagung Sachsen-Anhalt - (K)Ein Grund zum Feiern

Ein Vierteljahrhundert Landeskranichtagung – eigentlich ein Anlass zum Feiern der Erfolge im langjährigen Kranichschutz. Doch die 25. Jahrestagung der Landesarbeitsgemeinschaft (LAG) Kranichschutz Sachsen-Anhalt stand unter dem Eindruck eines Ereignisses, das viele Kranichfreunde und Ornithologen im vergangenen Herbst tief bewegt hat: Während des Herbstzuges entlang des westeuropäischen Zugweges fielen zehntausende Kraniche dem hochpathogenen Virus H5N1 (Geflügelpest) zum Opfer. Entsprechend bildete das Seuchengeschehen ein zentrales Thema der diesjährigen Veranstaltung.

Ausgetragen wurden die Tagung, in Sachsen-Anhalt traditionell immer am ersten Sonnabend im März, am 07.03.2026 im UNESCO-Biosphärenreservat Drömling und mit fleißiger Unterstützung der dortigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die über große Erfahrungen im Veranstaltungsmanagement verfügen und so eine unverzichtbare Hilfe waren. Der Einladung der LAG Sachsen-Anhalt folgten insgesamt 96 Fachleute aus Naturschutz, Wissenschaft, Politik und ehrenamtlicher Ornithologie. Zudem war die Presse mit Fernsehen, Radio und Printmedien vor Ort, wodurch die für uns so wichtigen Themen auch wieder Eingang in die breite Öffentlichkeitsarbeit fanden. Bereits vor Beginn des offiziellen Programms nutzten zahlreiche Teilnehmer die Gelegenheit zum Austausch.

Nach der Eröffnung der Tagung durch den Vorsitzenden der LAG Sachsen-Anhalt Axel Schonert stellte Fred Braumann, Leiter des Biosphärenreservates Drömling, das Schutzgebiet und seine Entwicklung sowie die lokale Kranichverbreitung vor. Der Drömling zählt zu den bedeutendsten Feuchtgebieten Sachsen-Anhalts und besitzt als Brut und Rastgebiet eine hohe Bedeutung für zahlreihe Vogelarten. Wolfgang Sender als ehemaliger Mitarbeiter und Naturschutzbeauftragter fokussierte im Anschluss auf den Kranich, bis hin zu spannenden und amüsanten Erlebnissen eines Kranichverrückten im Drömling.

Mehrere Vorträge zur Geflügelpest stellten das Ausmaß des Ausbruchs im vergangenen Herbst dar und beleuchteten dessen Hintergründe. Dr. Günter Nowald (Geschäftsführer Kranichschutz Deutschland) gab zunächst einen Überblick über das Seuchengeschehen entlang des westeuropäischen Zugweges und stellte aktuelle Erkenntnisse zu Ausbreitungsmustern und möglichen Ursachen vor. Nach vorliegenden Zahlen sind über 40.0000 Kraniche in Westeuropa Opfer der Geflügelpest geworden. Leider stellt dies nur die tatsächlich dokumentierten Fälle, also gefundene und geborgene Kadaver, dar. Die Dunkelziffer ist vermutlich erheblich höher! Wie sich das auf das Brutgeschehen und die lokalen Populationen auswirkt, ist bisher unklar und muss in der Brutsaison 2026 so genau ,wie feldornithologisch möglich, dokumentiert werden.

Die virologischen Hintergründe der Erkrankung wurden anschließend von Dr. Peter Petermann (Wissenschaftsforum Aviäre Influenza) erläutert. Er ging auf Herkunft und Eigenschaften der hochpathogenen Viren sowie auf Ausbruch und Entstehung ein. Spätestens die traurigen und erschreckenden Bilder vom Helmestausee bei Kelbra, einem der wichtigsten Rastgebiete der Kraniche in Deutschland, ließen den Tagungssaal verstummen - die drückende Stimmung war bei allen Teilnehmern zu spüren.

Trotzdem gab es auch positive Entwicklungen zu berichten. Die Zahlen des Brut- und Rastgeschehens 2025 in Sachsen-Anhalt zeigen, dass sich die Arbeit im Kranichschutz bemerkbar macht. Es konnten nicht nur Zuwächse in den aktuellen Brutpaaren verzeichnet werden, sondern auch hohe Rastzahlen mit etwa 55.000 Kranichen am Helmestausee Kelbra dokumentiert werden. Auch die Zahl beringter Kraniche, vorgestellt von Ingolf Todte (Beringungszentrale Sachsen-Anhalt), stieg weiter an, sodass noch mehr wertvolle Informationen über die Verbreitung und das Verhalten der Vögel über die Landes- und sogar Bundesgrenzen hinaus gesammelt werden können. Darüber hinaus gab es erfreuliche Nachrichten vom Helmestausee, wo nicht nur mit dem Bau des neuen Naturerlebniszentrums begonnen wurde, sondern auch das Verbundprojekt „Kranich(t)raum Goldene Aue – Perspektiven für Mensch und Natur“ startete. Auch hier wurde von den jeweiligen Trägern Talsperrenbetrieb Sachsen-Anhalt (TSB, Herr Mario Hohmann und NABU Sachsen-Anhalt, Herr Lucian Elles) in spannenden Kurzvorträgen über den aktuellen Stand berichtet. Nach der Tragödie im vergangenen Herbst werfen also schöne große Ereignisse ihre (Kranich-)Schatten voraus!

Den Abschluss der Tagung bildete eine Exkursion in ausgewählte Flächen des Drömlings, dem Land der tausend Gräben. Die Exkursion bot den Teilnehmern die Möglichkeit die Bedeutung wertvolle Lebensräume für rastende und brütende Kraniche zu erleben. Und wie es sich für eine Kranichtagung gehörte, konnten die Vögel des Glücks beobachtet werden. Zudem ließen sich auch andere Arten blicken, ein Brachvogel suchte offenbar nach einem Neststandort; die Art kommt dort noch mit wenigen Brutpaaren vor.

Trotz neuer Herausforderungen bleiben nach der Tagung Hoffnung und Enthusiasmus im Vordergrund und der fachliche Austausch, die Vernetzung und freundschaftliche Verbindungen unter den Kranichschützern, bleiben wichtige Bausteine für den langfristigen Schutz der Kraniche.

An dieser Stelle möchten wir den langjährigen und zuverlässigen Unterstützern der Landesarbeitsgemeinschaft Kranichschutz Sachsen-Anhalt unseren herzlichen Dank aussprechen: Kranichschutz Deutschland, NABU Sachsen-Anhalt, Ornithologenverband Sachsen-Anhalt, Piepenbrock Technischer Gebäudeservice, ohne die diese Tagung kein so großer Erfolg gewesen wäre.

Thea Keller

Axel Schonert.

Tagung2025.png

Foto:Tobias Stenzel

 

Bericht der LAG 2024

Zusammenfassung

Auch das Jahr 2024 brachte wieder viel Spannendes über unsere grauen Freunde. Die Saison wurde von der jährlichen Landestagung eröffnet, die interessante Themen bereithielt. Mit hoher Konstanz gelingt es jedes Jahr wieder, eine Datenbasis zusammenzustellen, wie es sie nur für sehr wenige Vogelarten gibt. Dies ist als großer Erfolg und Beleg für intensives ehrenamtliches Engagement zu werten. Die Zahl der Brutpaare in Sachsen-Anhalt steigt weiterhin langsam, aber kontinuierlich. Die Rastzahlen haben durch eine sehr hohe Schlafplatzzahl am Helmestausee einen neuen Höchstwert erreicht, was die Bedeutung des Transitlandes Sachsen-Anhalt untermauert. Zudem findet weiterhin die Farbmarkierung statt, dadurch wissen wir beispielsweise, dass unsere „Inge“ aus 2018 mittlerweile Mutter ist. Weiterhin liefert der Senderkranich „Master“ fantastische Daten über seine Reise durch Europa und Deutschland. Der so wichtige Helmestausee bleibt im Fokus, im Juli 2025 findet die Grundsteinlegung des Naturerlebniszentrum statt.

Einleitung

Was wäre der moderne Artenschutz ohne die breite Basis der ehrenamtlichen Arbeit, ohne den Kranichfreund mit Fernglas und Spektiv, der sich die kühlen Märzmorgende zur Brutplatzkontrolle und die kalten Oktoberabende mit steifem Nordostwind um die Ohren schlägt… Und doch wird dies viel zu wenig wahrgenommen, wohl auch, weil der engagierte Beobachter dabei meist allein ist und die Datenaufbereitung und -auswertung ohne ihn (oder sie) stattfindet. Umso wichtiger ist der inhaltliche und kollektive Austausch untereinander. Dabei geht es sowohl um den fachlichen Austausch bezüglich unseres Lieblingsvogels und dessen aktuellen Entwicklungen, aber eben immer auch um „soziale Gefiederpflege“ und das gute Gefühl, Teil einer spannenden, aktiven Gemeinschaft zu sein.

Die jährliche Landestagung der LAG Kranichschutz Sachsen-Anhalt soll genau dafür ein Ort sein; man trifft sich, man fachsimpelt, scherzt, lacht – alles gehört dazu. Kurzum; mal nicht allein im Wind in der Feldflur, sondern gemeinsam mit Gleichgesinnten, zum Teil jahrzehntelangen Bekannten, fachlich und gesellig einen schönen Tag verbringen.

Am 01.03.2025 folgten wir sehr gern der zweiten Einladung des Biosphärenreservates Mittelelbe. Durften wir 2023 ganz im Norden unseres schönen Bundeslandes, in Havelberg, im „Haus der Flüsse“, tagen, so besuchten wir in diesem Jahr das „Auenhaus“ im südlichsten Teil des Biosphärenreservates im Landkreis Wittenberg. Dem Leiter, Herrn Guido Puhlmann, und seinem Team sei an dieser Stelle für ihr großes Engagement und ihre Gastfreundschaft herzlich gedankt!

85 Kranichfreunde füllten den Saal des Auenhaues gut aus, nebenbei konnten die benachbarte Ausstellung und das liebevoll gestaltete Außengelände des Besucherzentrums genossen werden. Neben den aktuellen Zahlen für Sachsen-Anhalt konnten auch vielfältige und spannende Vorträge das Publikum begeistern; Herr Puhlmann berichtete über die aktuellen Entwicklungen und Pläne des Biosphärenreservates, dies ergänzte perfekt Dr. Schumacher von der Sielmann-Stiftung mit seinem Beitrag über das „Naturschutzgroßprojekt Mittelelbe“. Passend zur Elbaue geht es vor allem um das Wasser, für Kranichfreunde selbstredend ein zentrales Thema, vor allem angesichts der aktuellen Dürrejahre. Näher an das Verhalten von benachbarten Brutpaaren führte uns Renate Holzäpfel mit ihrem Beitrag über interessante Beobachtungen. In Erinnerung bleiben Schlagworte wie „Scheinputzen“ und „Drohsitzen“ als Mittel der Konfliktlösung, sicher ein geeignetes Vorbild für die Weltpolitik! Einen besonderen Glanz auf die Tagung warf der bekannte Buchautor und Naturschützer Ernst Paul Dörfler, der sein aktuelles Buch „Das Liebesleben der Vögel“ vorstellte und davon ausgehend einen weiten Bogen über Vogelschutz, Naturschutz und das Wassermanagement in der Aue bis zum Schutz der Elbe als lebenspendenden Strom der Landschaft schlug. Als rundum gelungen empfanden wir diesen Tag, sowohl den fachlichen Input betreffend als auch fürs Auge bei der anschließenden Exkursion, bei der uns Guido Puhlmann und Peter Poppe die Wirkung wasserhaltender Maßnahmen in der Elbaue näher brachten.

Material und Methoden

Neben der traditionellen Datenübermittlung hat sich mittlerweile die Datenerfassung der Brut über ornitho.de stabilisiert. Viele Feldbeobachter geben ihre Beobachtungen gleich vor Ort per Smartphone ein, kein nachträglicher Schreibkram mehr, kein Aufschieben von Hausaufgaben zur Zusammenstellung und Übermittlung der Daten – das ist sehr komfortabel und führt zu vielen nützlichen Beobachtungen. Und dadurch gelangen viele Brutplätze in die Datenbank, die bislang unbekannt und unkontrolliert waren. Nicht zuletzt staunen wir bei der Datenverarbeitung über die Vielzahl von Meldern, die sich im Felde für Kraniche interessieren, bislang jedoch keinen direkten Kontakt zur Landesarbeitsgemeinschaft hatten.

Auch bei den Schlafplatzdaten überwiegen mittlerweile die Daten aus dem Online-Portal. An dieser Stelle immer wieder die Bitte an alle Nutzer, die Beobachtung an einem Schlafplatz stets mit der Angabe „Schlaf- oder Sammelplatz“ bei „Präzisierung der Beobachtung“ zu verwenden. Das hilft den fleißigen Kranichfreunden, die an vielen dunklen Abenden die Daten filtern und auswerten, sehr!

Die Weiterverarbeitung der Daten in MultiBaseCS ist als nächster Schritt arbeitsreich, aber lohnend, da hierdurch eine veritable Datenbank mit tausenden Einträgen und sehr schneller Abrufbarkeit von Daten wächst und gedeiht. Immer wieder erreichen uns Anfragen von Naturschutzbehörden, denen mit diesen Daten zugearbeitet werden kann und so der Kranich bei Vorhabenplanungen die ihm zustehende wichtige Rolle auch als Schirmart spielt.


Ergebnisse

Brutbestand

Seitdem die Zahl der Kranichpaare in Sachsen-Anhalt systematisch und jährlich erfasst wird, sehen wir einen deutlich positiven Bestandstrend gegenüber dem Vorjahr. Eine Ausnahme bilden die Jahre 2017 und 2022 mit einer Stagnation gegenüber dem Vorjahr, was mutmaßlich jedoch methodische Gründe hat. Auch bei der Zahl der als unbesetzt gemeldeten Brutplätze gibt es sicher eine große Unsicherheit; haben sich die Vögel vielleicht bei den wenigen Besuchen des Brutplatzbetreuers nur gut versteckt? Ist die Brut vielleicht schon prädiert und die Elternvögel abgezogen? Ganz oft wissen wir es nicht genau; Feldarbeit ist kein Labor (macht aber wesentlich mehr Spaß!).

Auch die Zahlen für 2024 bestätigen den Aufwärtstrend bei den Kranichbruten. Nach 1.084 Paaren 2023 konnten nun 1.100 besetzte Plätze erfasst werden. Eine nur leichte Steigerung, setzt aber die Kontinuität der Entwicklung fort. Die Zahl der bekannten Brutplätze stieg auf 1.348, das Verhältnis von besetzt zu unbesetzt bei den bekannten Brutplätzen liegt nach den vorliegenden Daten bei ca. 82%, also im üblichen Rahmen.


Tabelle_Kranich_2024.png

Tab. 1: Brutplätze in Sachsen-Anhalt und Bestand 2024

 

Balkendiagramm_2024.png

Abb. 2: Kranichpaare 2024

 

Jungvögel

Die Zahl der beobachteten Jungkraniche liegt mit 224 signifikant über der des Vorjahres, bewegt sich erstmals sogar oberhalb des für Sachsen-Anhalt üblichen (niedrigen) Rahmen. Die Zahl stagniert praktisch seit der Jahrtausendwende um Werte von etwa 100 bis 160 Jungkraniche pro Jahr und zeigt mit dieser Konstanz eine erhebliche Differenz zu den (meist) kontinuierlich steigenden Brutpaarzahlen. Nach Feldbeobachtungen ist die Trockenheit der vergangenen Jahre diesbezüglich ein Thema. Aber auch die Besiedlung suboptimaler Habitate und daraus resultierend schlechte Erfolgsraten. Nicht zuletzt führen die hohen Fuchsbestände zu einem hohen Maß an Prädation. Ein Faktor kann zudem innerartlicher Stress bei dicht benachbarten Paaren in Regionen hoher Abundanz sein. Wie so oft wird es eine Kombination verschiedener Ursachen sein. Tatsache ist jedoch, dass die Reproduktion in Sachsen-Anhalt keinesfalls den Bestandsanstieg begründen kann, Sachsen-Anhalt ist permanent auf Zuwanderung angewiesen.

 

JV_2024.png

Abb. 3: Entwicklung von Paaren und beobachteten nicht-flüggen Jungvögeln von 1998 bis 2024

Schlafplätze

Die Zahl in Sachsen-Anhalt rastender Kraniche hat 2024 mit über 65.000 Kranichen ein neues Maximum erreicht. Nach einer langen Konstanz etwas über 50.000 Vögel ist dies eine deutliche Steigerung, die durch die hohe Zahl von 45.000 Kranichen am Helmestausee begründet wird. An diesem bekannten Kurzzeitschlafplatz ist es oft eine Frage des Zähltages, ob 50.000 oder nur 15.000 Kraniche anwesend sind. Umso wichtiger sind die enorm hochfrequenten Schlafplatzzählungen der lokalen Kranichfreunde des Ornithologenvereins Nordhausen mit Unterstützung der Natura 2000-Station Südharz/Kyffhäuser, für die nicht genug gedankt werden kann!


Helmestausee.png

Abb. 4: Höchstzahlen am Schlafplatz Helmestausee im Jahresvergleich

 

Beringung

Die Kranichberingung hat sich seit 2018, als Beringer Ingolf Todte das Zepter in die Hand nahm, fest etabliert. Um die zwei Beringer mit Sondergenehmigung der Vogelschutzwarte Steckby für die Beringung von Kranichen in Sachsen-Anhalt, Ingolf Todte und Nico Stenschke, haben sich stabile Helferteams gebildet, die vor allem in den Regionen Wittenberg, Aken-Dessau und Bitterfeld aktiv sind. Auch Sachsen-Anhalts berühmtester Ringkranich „Inge“ aus 2018 wird immer wieder abgelesen und zeigt so spannende Einblicke; 2024 ist Inge das erste Mal (soweit wir wissen) selbst Mutter geworden und hat in der Nähe von Magdeburg zwei stramme Jungkraniche großgezogen.

2024 konnten 29 Kraniche mit Farbringen versehen werden, ein absoluter Rekord! Teil des Erfolgs ist die tolle Zusammenarbeit mit dem Biosphärenreservat Drömling. Mehrere Jungvögel, darunter „Drömel“ und „Drömeline“, konnten beringt werden. Das große Engagement der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dieses Großschutzgebietes verspricht viele Ablesungen und eine wichtige Datenbasis über die dortige Lokalpopulation.

Ein Highlight 2023 war die Besenderung eines Jungkranichs. „Master“ im Brutrevier von Inges Eltern. Der Sender arbeitet hervorragend und liefert uns tolle Daten! So ist der Vogel vom Brutgebiet in der Wittenberger Elbaue über den Helmestausee nach Frankreich zur Überwinterung geflogen, hat sich dort im zeitigen Frühjahr von seinen Eltern getrennt und ist über die Diepholzer Moorniederung zurück nach Sachsen-Anhalt gezogen. Das Jahr 2024 verbrachte Master in einem typischen Junggesellentrupp im Raum Magdeburg. Ausblick; 2025 tauchte Master wieder zu Hause auf… wir bleiben gespannt, wie es weitergeht!


 

Brennpunkt Helmestausee

Die für 2024 dokumentierte hohe Zahl rastender Kraniche von ca. 45.000 belegt einmal mehr die Bedeutung des Schlafplatzes für die zentraleuropäische Kranichpopulation. Nach langem Bemühen und langwierigen Vorbereitungen wird am 10.07.2025 die Grundsteinlegung eines Kranichzentrums direkt vor Ort erfolgen. Es trägt den Titel „Naturerlebniszentrum Stausee Kelbra“ (NESt) und wird federführend durch den Talsperrenbetrieb Sachsen-Anhalt mit Unterstützung vieler Behörden, Vereine und Verbände errichtet. Wir werden weiterhin berichten…

 

 

Kontakt

Jana & Axel Schonert

Landeskoordination LAG Kranichschutz Sachsen-Anhalt

E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.